Vogelfreundlicher Garten - Naturschutz

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Ratgeber
Naturnaher und
vogelfreundlicher Garten

Bericht: Sarah Schuhmacher
Umweltingenieurin ZFH
Jedes Lebewesen braucht zur seiner optimalen Entwicklung und Fortpflanzung einen Lebensraum, welcher seiner Art entspricht (NABU, 2017). Naturnahe oder „artgerechte“ Gärten bestehen aus möglichst vielen unterschiedlichen Lebensräumen, um so den verschiedensten Anforderungen der darin lebenden Tiere und Pflanzen gerecht zu werden. Dennoch ist immer daran zu denken, dass wir zwar versuchen können, einen naturnahen Garten zu schaffen, dass dieser jedoch trotzdem nicht gänzlich der Natur entspricht (NABU, 2017).
Das Errichten von naturnahen und vogelfreundlichen Gärten bedingt, viele verschiedene Kleinstrukturen zu schaffen und ein ausreichendes Nahrungsangebot zu fördern. Hierbei ist es wichtig, exotische Zierpflanzen durch eine Vielfalt an einheimischen Pflanzen zu ersetzten (NABU, 2017; Horch, 1996). Die heimischen Pflanzen bieten den hiesigen Vögeln ein grosses Nahrungsangebot, sei es direkt durch die Fruchtbildung oder indirekt als Nahrungsgrundlage für Insekten. Ebenso wichtig sind gute Nistplätze und der ausreichende Schutz vor Fressfeinden (Horch, 1996; Agridea, 2015).

Lebensräume schaffen
Wertvolle Pflanzen für den naturnahen und vogelfreundlichen Garten
 
Hecken als wertvolle Nahrungsgrundlage
 
In Hecken (und Waldrändern) findet sich eine grosse Artenvielfalt (Chevillat, 2016). Sie beherbergen typische Wald-, aber auch Wiesenarten. Für die Förderung und Erhaltung der Biodiversität sind sie daher von besonders grosser Bedeutung. Umso unterschiedlicher die Pflanzenarten einer Hecke, umso wertvoller ist sie auch für die Tierwelt. Durch die Vielzahl an zeitlich unterschiedlich blühenden Pflanzen und dem Vorhandensein von Beeren, sind sie sowohl für viele Insekten als auch für Vögel eine wichtige Lebensgrundlage. Wobei die Früchte und Nüsse vor allem über den Winter eine wertvolle Lebensgrundlage bieten (Chevillat, 2016).
Aufbau einer biologisch wertvollen Hecke
Hecken bestehen aus einem Krautsaum, Sträuchern und ev. einzelnen Bäumen. Sie werden somit als stufige Gehölzstreifen bezeichnet (Agridea, 2015):
Ein Krautsaum: Ist eine extensive, also einer reduziert/zurückhaltend bewirtschaftete Fläche, und einer Hecke vorgelagert (Abbildung 1). Dieser Krautsaum bildet den fliessenden Übergang von einer stark bewirtschafteten Fläche (z.B. Kurzrasen) zu den Gehölzen der Hecke. Dieser Krautsaum dient den Insekten als Rückzugsort und beherbergt zudem viele verschiedene Pflanzenarten (Agridea, 2015).
Die Strauchschicht: Bietet den Tieren einen optimalen Schutz vor Fressfeinden und den Vögeln zusätzlich Nahrung und Nistmöglichkeiten (Abbildung 1). Daher sollte die Strauchschicht aus vielen verschiedenen einheimischen Sträuchern bestehen und möglichst beeren-, und dornentragende Gehölze, sowie Kletterpflanzen oder Lianen enthalten (Agridea, 2015).
Die Baumschicht: mit kleineren und/ oder grösseren Bäumen dienen Greifvögeln wie dem Turmfalken als Sitzwarte für die Jagd (Agridea, 2015).
Mein Garten lebt
Vögel, Schmetterlinge, Igel, Wildbienen und andere nützliche Tiere ansiedeln.

I
Auswahl einiger biologisch wertvollen Gehölze (übernommen von NABU, 2017b)
 
Heimische Sträucher
 
• Roter Hartriegel (Cornus sanguinea)
• Eingriffliger Weißdorn (Crataegus monogygna)
• Schwarzer Holunder (Sambucus nigra)
• Gewöhnlicher Schneeball (Viburnum opulus)
• Schlehe (Prunus spinosa)
• Liguster (Ligustrum vulgare)
• Gemeine Heckenrose (Rosa canina)
• Heckenkirsche (Lonicera xylosteum)
• Pfaffenhütchen (Euonymus europaeus)

Bäume
 
• Kornelkirsche (Cornus mas)
• Vogelkirsche (Prunus civium)
• Vogelbeere (Sorbus cucuparia)
• Wildbirne (Pyrus communis)
• Holzapfel (Malus silvestris)

Stauden als Begleitpflanzen
 
• Schafgarbe (Achillea nobilis, Achillea millefolium)
• Flockenblume (Centaurea jacea, Centaurea scabiosa)
• Lavendel (Lavendula angustifolia)
• Wilder Majoran (Origanum vulgare)
• Karthäusernelke (Dianthus carthusianorum)
• Fetthenne (Sedum telephium)
• Sonnenhut (Rudbeckia)
• Königskerze (Verbascum densiflorum)
• Kugeldistel (Echinops spoaerocephalon)
Straucharten speziell zur Förderung von Vögel (übernommen von Horch, 2001)
 
Schwarzer Holunder (Sambucus nigra) (Achtung: unbedingt Wildform, gezüchtete Sorten werden nichtgeschätzt!): Amsel, Singdrossel, Star, Garten- und Mönchsgrasmücke, Gimpel, Buchfink, Kernbeisser

Wolliger Schneeball (Viburnum lantana): Amsel, Rotkehlchen, Mönchsgrasmücke, Kernbeisser, Gimpel

Kornelkirsche (Cornus mas):  Amsel, Kernbeisser, Gimpel, Rotkehlchen

Pfaffenhütchen (Euonymus europaeus): Rotkehlchen, Amsel

Hagebuche (Carpinus betulus): Buchfink, Grünfink, Kernbeisser, Fichtenkreuzschnabel, Eichelhäher

Efeu (Hedera helix): Kernbeisser, Amsel, Singdrossel, Mönchsgrasmücke
 
Damit die Artenvielfalt von Hecken erhalten werden kann, ist es wichtig diese entsprechend zu pflegen. Besonders schnellwüchsige Arten sollten alle 5 bis 8 Jahre in den Wintermonaten auf den Stock gesetzt werden, so dass sie andere, weniger wuchsfreudige Arten nicht komplett verdrängen können (Chevillat, 2016).
Blumenwiese anstelle von Kunstrasen
Um weitere Pflanzen und somit auch Insekten zu fördern, ist es wichtig, den Anteil an Kunstrasen so klein wie möglich zu halten (Horch, 2001). Kunstrasen bieten den Insekten einerseits kaum Nahrung und bei sehr kurzem Schnitt auch unzureichende Schutzmöglichkeiten.
Um von einem Kunstrasen zu einer Blumenwiese zu wechseln, braucht es sehr viel Geduld. Wichtig ist es, die Wiese nicht mehr zu düngen (Horch, 2001), um so auch Pflanzen zu fördern, welche magere, also nährstoffarme, Standorte bevorzugen. Zudem sollte der Rasen in den ersten 4-8 Jahren alle 4-6 Wochen möglichst durch eine Sense gemäht werden (Horch, 2001). Oftmals ist eine Einsaat leider jedoch nicht zu umgehen, da viele zuvor natürlich vorkommende Blumenarten nicht mehr als Saatgut in der umliegenden Natur vorhanden ist. Es sollen zwingend einheimische Saatgutmischungen verwendet werden!
Eine weitere Möglichkeit zum Einbringen von Blumensamen ist es, das Schnittgut einer bestehenden, einheimischen, blumenreichen Wiese auf die eigene Rasenfläche aufzubringen und dort liegen zu lassen, um so eine Versamung zu begünstigen.
Literatur
Agridea. 2015. Hecken richtig pflanzen und pflegen. Abgerufen am 04.03.2018 unter:
Chevillat, Véronique. 2016. Lebendige Hecken dank regelmässiger Pflege. Bioaktuell. Abgerufen am 11.02.2018 unter:
Horch, Petra. 2001. Der vogelfreundliche Garten. Schweizer Vogelschutz SVS/BirdLife Schweiz & Schweizerische Vogelwarte Sempach
NABU. 2017a. Der naturnahe Garten - Lebensraum für Tiere und Pflanzen. Abgerufen am 04.03.2018 unter:
NABU. 2017b. Hecken, Feldholzinseln und Baumalleen – Warum sie so wichtig sind und wie man sie am besten pflanzt. Abgerufen am 04.03.2018 unter:
Letzte Aktualisierung 14.06.2018
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