Greifvögel - Naturschutz

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Berichte
Rotmilan (Milvus milvus)

Text: Markus Schuhmacher
Fotos: Schuhmacher Edgar /
Markus Schuhmacher
Öfters zu sehen in der Jura Landschaft Fricktal ist der Rotmilan (Milvus milvus), auch Gabelweihe genannt. Er gilt als einer der schönsten Greifvögel Europas.
 
 
Markus Schuhmacher


Markierter Rotmilan C64 in Eiken    
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Bericht: Markus Schuhmacher
Quellen:
Adrian Aebischer, Freiburg, Schweiz
Thomas Pfeiffer, Weimar, Deutschland
Vogelwarte Sempach, Schweiz


Der Rotmilan ist eine eindrucksvolle Erscheinung am Schweizer Himmel, kann doch die Spannweite der Flügel bis 1.60 m betragen. Am tief gegabelten, rostroten Schwanz ist er zu erkennen. Er brütet in Bäumen und nutzt das offene Kulturland zur Jagd. Die eindrücklichen Vögel können stundenlang auf ihren schmalen, langen Flügeln kreisen und steuern dabei unablässig mit dem langen Gabelschwanz. Sie überfliegen im Suchflug in geringer Höhe  Kulturland, nicht selten auch Wohnquartiere. Sie ernähren sich von Aas, häufiger aber von kleinen Tieren wie Kleinsäuger,  Vögel, Fische, Amphibien und Regenwürmer. Ein Teil unserer Rotmilane bleibt den Winter durch in den Brutgebieten und finden sich abends zu Schlafgemeinschaften zusammen. Wintergäste gesellen sich dazu. Ein Teil, insbesondere Jungvögel, wandern ab.
Foto: Edgar Schuhmacher
Markierte Rotmilane
Selten werden markierte Rotmilane in der Schweiz gesichtet. Flügelmarkierungen stellen eine wertvolle Methode dar, um Informationen zum Aufenthalt von Vögeln im Jahresverlauf zu erhalten. So werden z.B. in Italien, Spanien, Frankreich, England und Deutschland Rotmilane markiert. In der Schweiz sind bisher noch keine Flügelmarkierungen an Milanen angebracht worden. Diese Markierungen sehen nicht gerade aerodynamisch aus. Hierzu der Ornithologe, Rotmilan-Experte und Autor des Buches „Der Rotmilan - ein faszinierender Greifvogel“  Adrian Aebischer: „Natürlich sehen diese nicht gerade schön aus, die Methode ist aber äusserst effizient. So wurden z.B. in Frankreich über 30% der markierten Jungmilane in den folgenden 12 Monaten mindestens einmal aus der Ferne gesehen und erkannt. Die Methode ist somit sehr viel effektiver als z.B. die Beringung. Die Flügelmarken sind eigentlich so angebracht, dass sie nicht abfallen sollten. D.h. im Idealfall, sollte die Marke ein Leben lang am Flügel bleiben. Es kommt ab und zu vor, dass eine Flügelmarke abfällt und es gab auch einmal ein Fall, bei dem sich ein Jungvogel beim Herumklettern mit der Flügelmarke an einem Ast verfing (es ging aber dann doch alles gut). Mir sind keine weiteren Probleme bekannt, hingegen weiss ich von mehreren Vögeln, die die Flügelmarken seit vielen Jahren tragen und alljährlich erfolgreich brüten“.
Foto: Edgar Schuhmacher
Markierte Rotmilane im Fricktal
 
Erfreulich, im Fricktal sind Sichtungen von markierten Rotmilanen bekannt. So in Eiken und Schupfart. Während drei Individuen in Nordspanien im Winterquartier markiert wurden, wurde ein Individuum (C64) in Deutschland markiert. Die Aufenthalte von C64 liessen sich aufgrund der Markierung gut zurückverfolgen. Der Rotmilan mit orange Flügelmarken und schwarzer Schrift C64 wurde von Thomas Pfeiffer im Juni 2014 nestjung markiert. Der Horst lag östlich von Weimar in Thüringen (BRD) auf einer Esche. Der Milan war der Ältere von zwei Nestgeschwistern. Der Vogel wurde erstmals am 31.12.2014 in Eiken gesichtet, wo er überwinterte (Beobachtungen bis Ende Februar 2015 regelmässig an einem Futterplatz in Eiken). Beringungs- und Fundort liegen 457 Km auseinander. Weitere Stationen von Rotmilan C64 waren in Deutschland-Thüringen im Juni 2016 Haufeld, im September 2016 Rema-Teichel und im November 2016 Hammerstedt. Am 20.11.2016 wurde Milan C64 in Schupfart beobachtet, am 30.11.2016 in Eiken, wo er wiederum überwinterte, am gleichen Futterplatz wie im Jahr 2015. Zwischen April und Dezember 2017 konnte C64 wieder in Thüringen (BRD) beobachtet werden. Der Vogel hatte sich Ende 2017 bei Lehnstedt (8 km von Weimar) einer Schlafgemeinschaft von gut 50 Rotmilanen angeschlossen.
Foto: Markus Schuhmacher
Winterortstreue bei Rotmilanen
 
Nachdem Rotmilan C64 zweimal am selben Ort in der Schweiz überwinterte, hatte er nun das Winterquartier gewechselt und blieb diesen Winter in Thüringen (BRD) in der Nähe seines Geburtsortes. Hierzu der Rotmilan-Experte Thomas Pfeiffer: „Dass Rotmilane den Winter im selben Gebiet wie im Vorjahr verbringen, kommt relativ häufig vor. Aber auch veränderte Winterquartiere lassen sich immer wieder feststellen“. Und Rotmilan-Experte Adrian Aebischer: „Auffällig ist, dass viele Jungvögel zuerst ein- oder zweimal in Südfrankreich oder Spanien überwintern, dann aber, wenn sie etwas älter sind, in der Schweiz überwintern“. Dieser Bericht soll auch dazu aufrufen gesichtete Rotmilane mit Flügelmarkierungen der Vogelwarte Sempach zu melden. Gewünscht ist die vollständige Ablesung, die Farbe der Flügelmarke und die Farbe der Inschrift, sowie die Bezeichnung des Beobachtungsortes und das Funddatum.
Foto: Edgar Schuhmacher
Foto: Edgar Schuhmacher
Schutz der Vögel  
 
Der Rotmilan ist eine der am stärksten auf Europa beschränkten Vogelarten. Mit einem geschätzten Anteil von fast 10% an der europäischen Brutpopulation und
 
der positiven Bestandesentwicklung trägt die Schweiz eine grosse Verantwortung für die Erhaltung der Art.
 

 
Quellen:
Adrian Aebischer, Freiburg, Schweiz
Thomas Pfeiffer, Weimar, Deutschland
Vogelwarte Sempach, Schweiz
Bilder Galerie:
Edgar und Markus Schuhmacher
Letzte Aktualisierung 08.12.2018
Naturfotografie
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5074 Eiken

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